Die Krokusse blühen, wohin man auch schaut
Wenn die „Graue Stadt am Meer“ ihre lila Phase hat – das Krokusblütenfest in Husum
Von wegen Safran –, gleich welcher Husumer Legende man eher Glauben schenken mag, weder die „Grauen Mönche“ des dortigen Klosters noch Herzogin Marie Elisabeth von Sachsen, berühmt für ihre Zuckerbäckerei und wohnhaft auf Schloss Husum, hätten je auch nur ein Fädchen kostbaren Safrans ernten können. Da mochten weder die einen noch die andere noch so viele Krokusse der Art Crocus napolitanus Mord.Laun & Lois gepflanzt haben, das aromatische und farbintensive orientalische Gewürz gibt nur eine Krokus-Art her und das ist Crocus sativus.
So und so auch feiert man in Husum jedes Jahr Ende März das Krokusblütenfest. Und aus dem im März noch recht trist wirkenden Stadtpark wird mit einem Mal ein violett farbenes Blütenmeer. Das norddeutsche Blüten-Spektakel hat auch mich und meine Kamera bereits nach Husum geführt. Vielleicht lag’s am Licht, vielleicht am Wetter, die Husumer mögen es mir nachsehen, aber so richtig begeistert hat mich das aus fotografischer Sicht nicht. Stattdessen hatte ich mit dem Phänomen zu kämpfen, den Wald vor lauter … also den Krokus vor lauter Krokussen nicht zu sehen. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Netz unzählige wunderschöne Aufnahmen vom Blütenmeer und dem tollen, alten Baumbestand zu sehen sind. Und dass Husum IMMER einen Besuch wert ist, gleich zu welcher Jahreszeit und gleich bei welchem Wetter. Das mit der Krokusblüte versuche ich auf jeden Fall noch einmal wieder.
Viel näher dran als Husum und auch bunter: Krokusse in Nachbars Garten
Die schönsten Krokuswiesen habe ich gar nicht so weit entfernt von uns entdeckt und zwar in zwei liebevoll gestalteten Gärten, beide in älteren und erfahrenen Gärtnerhänden. In Wacken blühten viele Jahre Krokusse, Märzenbecher und Winterlinge unter alten Obstbäumen und bildeten eine zauberhafte Kulisse zum alten Bauernhaus, zu dem sie gehörten. Leider ist das schöne alte Reethaus vor einiger Zeit abgebrannt. Und der Neubau hat dem Traumgarten für’s Erste den Zauber genommen.
In einem kleinen Dorf, ein paar Kilometer weiter, präsentieren sich – vis-á-vis zu einem Ehrenmal – hunderte Krokusse in allen Farben. Sie blühen weiß, weiß-violett, lila, fliederfarben und gelb und in solcher Fülle, dass ich, reizüberflutet, mich gar nicht sattsehen konnte. Der zauberhafte Garten wird von einem älteren Ehepaar bestellt. Und als ich, um fotografieren zu dürfen, angeklingelt und um Erlaubnis gebeten habe, haben die beiden lieben Menschen mir erzählt, wie oft ihre Blütenpracht bereits fotografiert worden sei. Und dass bislang ich die Erste sei, die um eine Genehmigung bat. Viel wichtiger aber noch: Sie haben mir erzählt, dass sie regelmässig nachpflanzen, um die enorme Blühdichte zu erreichen.
Was für eine Arbeit. Was für eine Pracht. Und noch einmal herzlichen Dank dafür!
Gebt den Bienchen Zucker!
Apropos: Die ersten Bienen und Hummeln waren bereits vor mir dort. Sie tauchen ein in die tiefen Kelche, die behaarten Beinchen vom Pollen schwer, um Nektar zu saugen. Und der eine oder andere Zitronenfalter flatterte mit mir von Motiv zu Motiv.
Von Krokos, der Nymphe Smilax und Hermes oder woher das Blümchen seinen Namen hat

In der griechischen Mythologie verwiesen gleich zwei Geschichten auf den Ursprung der hübschen Blumen. Einmal soll der Jüngling Krokos zum Dank für seine unglückliche Liebe zu Nymphe Smilax von den Göttern in eine gleichnamige Blume verwandelt worden sein. Und in einer anderen Sage hat Hermes seinen Begleiter Krokos versehentlich mit einem Diskus um sein Leben gebracht. Darüber war der Götterbote so betrübt, dass er mit der Hilfe der Nymphe Chloris, besser bekannt als Flora, Göttin der Pflanzenwelt, den Körper des toten Freundes in eine Blume verwandeln ließ.
(Bild: Tizian, „Flora“, Uffizien)
Der Krokus – eine Rose von Scharon?
Die hübschen Krokusse blühen über den ganzen Erdball verteilt, was sie in den wohlwollenden Verdacht geraten ließ, dass es sich bei ihnen um die in der Bibel zitierte, berühmte „Rose von Scharon“ handeln könne.
Die „Rose von Scharon“, auf Hebräisch chavatzelet ha-scharonist, ein berühmtes Zitat aus dem Hohelied Salomos (2,1), in dem sich die Geliebte Sulamith als „Blume der Scharon-Ebene“ bezeichnet.
Ich bin eine Blume von Scharon, eine Lilie der Täler.
Bei der „Rose von Scharon“ handelt es nicht um einen festgelegten, botanischen Begriff sondern vielmehr um die poetische Bezeichnung für eine wild wachsende Blume. Ihre Schönheit und Natürlichkeit bei gleichzeitiger Bescheidenheit steht symbolisch für die Liebe, für Reinheit und göttliche Schönheit. Scharon ist eine fruchtbare Küstenregion im heutigen Israel, gelegen zwischen Mittelmeer und Hügelland. Dieser Region verdanken wir übrigens auch die leckeren, saftig-süssen Sharonfrüchte, besser bekannt als Kaki, die ursprünglich aus China, Japan und Korea stammen und in Israel für den europäischen Markt gezüchtet werden.
Die Reihe der Hauptverdächtigen für die Identität der „Rose von Scharon“ teilt sich der Krokus bislang mit Hibiskus, Zistrosen, Gladiolen, Berg-Tulpen, Strauß-Narzissen und Madonnen-Lilien, und weil er zu den Ersten gehört, die im Frühling unsere Sehnsucht nach Farben, Blüten und Blühendem stillen, gönne ich ihm diese berühmte Rolle doch von Herzen.

